Konfliktmanagement als Führungshandeln

Für das Handeln als Schulleitung ist es wichtig für sich zu entscheiden, welchen Stellenwert das Konfliktmanagement an der eigenen Schule erhält. Denn die relevante und interessante Frage nach Karma Lobsang ist, „wie es der Schule gelingt, ihren gesellschaftlichen Integrationsauftrag zu erfüllen, nämlich Kinder und Jugendliche zu konfliktfähigen zukünftigen Erwachsenen zu sozialisieren.“ (Hoffmann, Hellmüller und Hostettler 2016, 212). Dafür braucht es konfliktkompetente Schulleitungen und Lehrpersonen, welche die konstruktive Konfliktkultur an der Schule proaktiv mitprägen.

Das Konfliktmanagement an einer Schule soll dem Zweck dienen, dass die Menschen, welche an der Schule arbeiten sowie die Schüler/innen, welche die Schule besuchen, lernen mit Konflikten konstruktiv umzugehen und diese als Chance nutzen, um ihre überfachlichen (personalen, sozialen, methodischen) Kompetenzen zu erweitern. Die Bereitschaft gemeinsam neue kreative Lösungen für Probleme zu finden, sollte trainiert werden. Nicht um Konflikte zu vermeiden oder eine Pseudo-Kultur von Wohlbefinden aufzubauen, wo alle immer einander gernhaben müssen, sondern um für eine konstruktive angemessene Konfliktkultur zu sorgen.

Deshalb sollen Schulleitungen die Gestaltung einer konfliktkompetenten Schulkultur proaktiv angehen. Sie sollten die Gestaltungs- und Entwicklungsaufgaben für die zwischenmenschliche Beziehung, Team- und Schulkultur an ihrer Schule übernehmen. Dies wird erst möglich, wenn Schulleitungen einen konstruktiven Umgang mit Konflikten selbst vorleben. Dies erfordert eine bewusste Wahrnehmung der eigenen Person, des Gegenübers und der sachlichen Gegebenheit (Meyer und Züger 2005, 5).

In der Rolle als Schulleitung steht man im Spannungsfeld zwischen Realität und Vision, also zwischen Ist- und Soll-Zustand, zwischen eigenen Vorstellungen und fremden Erwartungen. Des Weiteren sollte man sich als Schulleitung seiner Rolle im System Schule bewusst sein. Als Führungskraft sollte man nicht aus Konfliktscheue und falsch verstandenem Harmoniedenken einer mit Veränderung verbundenen Unruhe und dadurch bedingten Konflikten ausweichen (Knapp, Neubauer und Gampe 2008, 71). Im Zusammenhang mit Innovation und Weiterentwicklung ist es die logische Konsequenz, dass mit dem Ziel einer Verbesserung des Ist-Zustandes vorgegebene Strukturen und Arbeitsweisen in der Regel verändert oder angepasst werden müssen. Durch diesen Veränderungsprozess können bereits mögliche Konflikte entstehen, da nicht alle Mitglieder eines Lehrerteams gleich bereit sind, ihre gewohnten Bahnen zu verlassen und sich auf Neuerungen einzustellen. Führungsverhalten in diesen Situationen wird zum Erfolgsfaktor. Wenn es einer Schulleitung gelingt, diese Spannungsfelder frühzeitig auszumachen und diese Energie der Spannung in einem Entwicklungsprozess zur Konstruktion einer Lösung sinnvoll nutzt (Knapp, Neubauer und Gampe 2008, 70).

Konfliktmanagement soll die Konfliktfähigkeiten aller Beteiligten an der Schule unterstützen und weiterentwickeln. Dies soll dazu führen, dass Konflikte frühzeitig erkannt, analysiert und behandelt werden und nicht in Zeit- und Ressourcenraubenden Prozessen enden (Hoffmann, Hellmüller und Hostettler 2016, 212).


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